660 km Offroad auf der Gibb River Road

Unser erstes längere Offroad-Abenteuer in Australien führte uns auf die Gibb River Road (GRR).
Die Gibb River Road ist eine der bekanntesten australischen Offroad-Strassen. Sie führt von Kununurra 660 km durch die nördlichen Kimberleys nach Derby.

Die Reiseberichte und Blogeinträge von anderen Reisenden versprechen eine spannende Reise.

Diese Offroadstrecke kann man natürlich nur mit dem passenden Fahrzeug und entsprechender Vorbereitung in Angriff nehmen. Für diese Zwecke haben wir einen Nissan Pathfinder 4×4 mit Zelt auf dem Dach gemietet.
Wir sind etwas angespannt denn wir haben beide keine Offroad-Erfahrung. Für den Fall eines Reifendefektes haben wir zwei Ersatzräder dabei. Reifenwechseln kennen wir aber auch nur von Youtube.
Wir sind aber gut ausgerüstet. Das Auto ist mit automatischem Wagenheber, Werkzeugkiste und Kompressor beladen.

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Tag 1: Kununurra – El Questro Wilderness Park – 101 km

Bevor wir starten müssen wir natürlich noch volltanken. Es gibt nur wenige Gelegenheiten zum Nachtanken auf der Strecke. Wir rechnen mit mindestens zwei Tankstopps bei Stationen die das ganze Jahr geöffnet sind.
Wir verringern den Druck der Reifen um je etwa 10 PSI damit die Fahrt komfortabler und das Risiko einer Reifenpanne etwas kleiner wird.

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Von Kununurra starten wir in Richtung Wyndham. Nach 52 km zweigt die GRR ab. Die ersten zwanzig Kilometer sind normaler Asphaltbelag. Erster kleiner Abstecher gemäss Lonely Planet ist die Schlucht „Emma Gorge“. Was nicht steht ist dass der Spaziergang nur von 7 bis 10 Uhr morgens möglich ist. Bei unserer Ankunft um 11 Uhr wäre es bereits zu heiss. Weiter gehts!

Nur ein paar Kilometer später folgt der Abzweiger zur El Questro Wilderness Park. Das ist eine riesige Ranch – 1 Mio Hektaren! Hauptsächlich werden dort Touristen verpflegt und Aktivitäten wie Wandern, Bootsfahrten, Heliflüge etc. durchgeführt. Nebenbei halten sie auch noch etwa 3000 Rinder. Aber die taugen eigentlich nur für Hamburger bei Maccas!
Für den Nachmittag buchten wir eine Bootstour in der Chamberlain Gorge. Wie bei vielen anderen Gorges ist auch der Chamberlain Gorge von Salzwasserkrokodilen bewohnt. D.h. aufpassen beim Ein- und Aussteigen ins Boot und nicht in Ufernähe stehen bleiben. Beim Fotografien auf dem Boot sollten die Arme auch nicht über das Wasser reichen.

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Tag 2: El Questro Wilderness Park – Manning Gorge – 343 km

In Westaustralien geht die Sonne im Oktober bereits um halb Sechs auf. Wenn man im Zelt übernachtet bedeutet dies es wird bald warm. Aufstehen! Entsprechend beginnt der Tag bei uns sehr früh.

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Nach El Questro fahren wir los in Richtung Mt Barnett Roadhouse. Das sind etwa 300 Kilometer unter der glühenden Sonne Australiens. Unterwegs gibt es lange gar nichts ausser Schottenpiste. Das fühlt sich dann sehr lange an. Wir starten mit dem Zählen von Strassenschildern. Alle 10 Kilometer ist ein Schild.
Man beachte dass man auf einer Offroad-Strecke nicht 120 km/h fahren kann. Wenns gut geht sind es 80 km/h, manchmal aber auch nur 20 oder 30 km/h auf sehr holprigen Streckenpartien.
Nach 6 Stunden Fahrt sind wir am Abend schon ziemlich froh als wir das Roadhouse am Horizont sehen. Wir übernachten auf einem Campingplatz in der Nähe der Manning Gorge.

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Tag 3: Manning Gorge – Windjana Gorge 210 km

Eine kurze Wanderung zu einem Natur-Pool gehört auch in der Manning Gorge zum Programm. Wir starten am frühen Morgen bevor die Temperatur den Ich-will-lieber-im-klimatisierten-Auto-sitzen-Punkt erreicht hat.
Dieser Teil der Gibb River Road ist eigentlich der interessanteste. Es gibt unterwegs einige Abzweiger zu Camps, Ranches und Gorges. Leider sind die Camps Ende Oktober bereits fast alle geschlossen. Wenn im November die Niederschläge loslegen wollen die Einheimischen nicht im Niemandsland feststecken. So sehen wir häufig das Schild „Closed for the Wet“.
Auch eine Tankstelle mit Shop „Imintji Store“ ist geschlossen. Zum Glück sind wir nicht davon abhängig hier zu tanken.
Als Nachtplatz wählen wir einen Abstecher in den Windjana National Park. Die Windjana Gorge, eine Schlucht mitten im Outback unterbricht die lange Einöde. Beim Eindunkeln erleben wir hier ein Naturspektakel. In einem Teil des Flusses lauern kleine Süsswasserkrokodile an der Oberfläche. Sie warten auf die Fledermäuse die beim Eindunkeln zur Tränke kommen. Immer wieder schnappt es zu und man hört nur ein Platschen. Dann das verzweifelte Kreischen einer Fledermaus!
Nachts erhalten wir beim Camper Besuch. Man hört ein Hoppeln. Es ist ein freundlicher Besucher. Ein Wallaby!

Tag 4: Windjana Gorge – Derby – 219 km

Das letzte Teilstück auf dem “Gibb” ist für uns keine grosse Sache mehr. Von der Windjana Gorge kann man noch einen 37 km-Abstecher zum Tunnel Creek fahren. Das bedeutet eine kurze 2 km Höhlenwanderung im knietiefen Wasser. So steht es im Reiseführer. Tatsächlich gibt es kaum nasse Füsse. Dafür einen Brummschädel wenn man wie Moni den Kopf an der Höhlendecke anschlägt. Autsch!
Die letzten 100 km sind abwechselnd Asphalt und Kies. Wie auch in grossen Gebieten von Nordaustralien kann es hier vorkommen das es neben der Strasse brennt. Das ist völlig normal! Wirklich. Es sind kontrollierte Grasfeuer die gelegt werden. Dann endlich haben wir das Ziel erreicht. Wir sind in Derby angekommen.

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Am Ziel

Ingesamt gefiel uns die Strecke ziemlich gut. Allerdings sollte man nicht mit falschen Vorstellungen starten. Auf der Hauptroute ist man zwar sehr weit von der Zivilisation entfernt, doch einsam ist man nicht. Selbst in der Nebensaison sieht man jeden Tag ein paar Autos.

Wir hatten auf der Strecke nur kleine Zwischenfälle. So löste sich einmal die Antenne des UHF-Funks und brach später ganz ab. Durch den Antennenbruch gab es einen Wackelkontakt an der Batterie und es ging gar nichts mehr. Der Starter funktionierte nicht. Da kamen wir noch mehr ins Schwitzen.
Glücklicherweise half uns bereits nach wenigen Minuten ein passierender Einheimischer den Defekt zu finden und beheben. Wir passierten auf der Strecke allerdings zwei andere Pannen. Normalerweise hält man da kurz und fragt ob man helfen kann.

Mit 12 Flussüberquerungen rechneten wir gemäss Berichten anderer Reisenden. Doch am Ende der Trockenzeit führen die Flüsse kein Wasser mehr. Das macht die Route um einiges einfacher aber auch etwas weniger abenteuerlicher.
Wer etwas mehr Abenteuer sucht, kann noch längere Abstecher zu entlegenen Camps machen.
Dass Mitte Oktober bereits so viele Ranches geschlossen sind, hatten wir nicht erwartet.
Deshalb würden wir die Route eher früher in der Dry-Season empfehlen.

 

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We conquered the Gibb River Road!